Vom Prinzip zur überprüfbaren Lesung

Die Methodik definiert die Regeln, die Pipeline organisiert ihre Ausführung

Vom Bild der Quelle bis zur nachvollziehbar begründeten Lesung.

Die Methodikseite erläutert, warum Beobachtung, Analyse, Lesung und Interpretation getrennt bleiben. Diese Seite zeigt, wie daraus ein kontrollierter Arbeitsablauf wird.

Die Pipeline ersetzt nicht den Blick auf die Quelle. Sie organisiert ihn: durch begrenzte Modulrollen, gespeicherte Zwischenstände, nachvollziehbare Übergaben, Prüfungen, Sperren und menschliche Review-Schritte.

Vereinfachter Ablauf

Eine Lesung entsteht erst am Ende eines überprüfbaren Weges.

Die folgende Grafik ist eine Orientierung, kein starres Schema. Je nach Quelle können Schritte wiederholt, übersprungen, verzweigt oder in Review zurückgeführt werden.

Textarme helle Workflow-Grafik der HistoriaMP-Pipeline mit elf nummerierten Modulen, Evidenzfluss, Audit-Punkten, Unsicherheit, Review und Export
Textarme, markenneutrale Visualisierung eines HistoriaMP-Workflows. Die Modulnamen und die Legende werden kontrolliert im HTML gesetzt.
QuelleBildqualitätLayoutSegmenteGlyphenMinimclusterAbbreviaturenLesungKonsensReviewExport
  • Gold: Evidenzfluss und Audit-Punkte
  • Blau: Unsicherheit
  • Rot: Review erforderlich
  • Grau: nicht freigegeben oder blockiert
QuelleBildqualitätLayoutSegmentZeileGlyphMinimclusterAbbreviaturLesungVariantenKonsensQCReviewExport
01

Module sind Rollen

Ein Modul ist keine allwissende Instanz. Es arbeitet mit begrenztem Auftrag und darf nur ausgeben, was seine Ebene methodisch erlaubt.

02

Artefakte statt Textfluss

Zwischen Modulen wandern dokumentierte Befunde: Bildbereiche, Koordinaten, Segmente, Unsicherheiten, Varianten und Prüfstatus.

03

Nicht alles darf weiter

Ein Artefakt kann gespeichert bleiben, ohne als belastbare Lesung weiterverwendet zu werden. Unsicherheit kann Review auslösen oder eine Weitergabe blockieren.

Kontrollierte Übergänge

Module übernehmen begrenzte Aufgaben.

Die Pipeline ordnet Analyseaufgaben in Stufen. Ein früher Schritt beschreibt den sichtbaren Befund, ein Layoutmodul erfasst Zonen und Strukturen, Segment- und Zeilenmodule organisieren Ausschnitte und Zuordnungen. Glyph- und Minim-Module markieren kritische Zeichenbereiche; ein Abbreviaturmodul bereitet mögliche Kürzungsbefunde vor. Transkription erzeugt Lesungskandidaten erst mit visueller Grundlage. QC prüft sie gegen vorherige Artefakte.

Die Stärke der Pipeline liegt nicht darin, dass jedes Modul viel darf, sondern dass jedes Modul seine begrenzte Rolle kontrolliert, prüfbar und nachvollziehbar erfüllt.

Artefaktkette

Was zwischen den Modulen weitergegeben wird.

Ein Artefakt ist kein endgültiges Urteil. Es ist ein überprüfbarer Zwischenstand mit Bezug auf Bild, Segment, Koordinate, Modulherkunft, Unsicherheitsstatus, Prüfstatus und Weitergabestatus.

So kann später nachvollzogen werden, aus welchem Bildbereich ein Befund stammt, welches Modul ihn erzeugt hat, welche Unsicherheit erhalten blieb und ob er bestätigt, zurückgestellt, kommentiert oder blockiert wurde.

Quelle → Segment → unsicherer Befund → vorläufiger Lesungskandidat.
Artefakte halten sichtbare Befunde, Segmentbezüge, Statusinformationen und Evidenzpunkte getrennt fest. Die Grafik ist eine schematische Darstellung, kein realer Quellenbefund.
Lesungsvorschlag

Vom sichtbaren Befund zum prüfbaren Vorschlag.

Eine Lesung wird im Workflow nicht als isolierte Textantwort behandelt. Sie entsteht aus einem dokumentierten Bildausschnitt, Detailbefunden, Varianten und einem sichtbaren Prüfstatus.

Die Darstellung trennt Quelle, Ausschnitt, Detailvergrößerung und Vorschlag. So bleibt erkennbar, welche Ebene Bildbefund ist und welche Ebene bereits eine vorläufige Lesung darstellt.

Vom sichtbaren Befund zum Lesungsvorschlag: Ausschnitt, Detailbefund und Varianten bleiben getrennt sichtbar. Die Grafik ist eine schematische Darstellung, kein realer Quellenbefund.
Orchestrator

Der Orchestrator ist kein Chefmodell. Er ist ein Wächter.

Der Orchestrator entscheidet nicht, was in der Quelle steht. Er prüft Übergänge: Hat ein Modul seine Rolle eingehalten? Fehlt die Bildbasis? Ist eine Unsicherheit verschwunden? Gibt es einen Artefaktverweis? Darf ein Ergebnis weitergegeben werden?

Wenn Regeln verletzt sind, blockiert er automatische Weitergabe oder leitet den Befund in Review. Er fragt nicht: Welche Antwort klingt am besten? Er fragt: Darf diese Antwort auf Grundlage der bisherigen Artefakte weitergehen?

Orchestrator als Kontrollinstanz zwischen Modulen, Review, Blockade und Weitergabe.
Fehler werden zu Regeln

Fehler zeigen fehlende Kontrollschichten.

Ein dokumentierter Fehler kann eine Pipeline-Regel, eine Sperre, einen Review-Schritt oder ein zusätzliches Prüfmodul auslösen. Liest ein Modell zu früh, braucht es eine strengere Beobachtungsschicht. Verschwindet Unsicherheit, muss sie als Artefakt weitergeführt werden. Wird ein Minimcluster zu einem glatten Wort, braucht es eine eigene Prüfebene.

Ist eine Koordinate nicht rückführbar, bleibt der Befund technisch eingeschränkt. Wird ein Sonderzeichen ignoriert, kann eine Glyph- oder Abbreviaturprüfung notwendig werden.

Aus dokumentierten Fehlern entstehen Regeln, Sperren oder Review-Schritte.
Unsichere Problemstellen bleiben im Workflow sichtbar.
Konsens

Modellmehrheit ist kein Quellenbeweis.

Der Vergleich mehrerer Modelle kann Hinweise liefern, ersetzt aber keine Rückführung auf die Quelle. Drei Modelle können denselben schwachen Befund überschätzen, dieselbe plausible Ergänzung bevorzugen oder dieselbe Unsicherheit glätten.

Konsens ist erst belastbar, wenn eine Lesung auf gemeinsame sichtbare Grundlage, identifizierbare Artefakte, dokumentierte Unsicherheit und eine nachvollziehbare Prüfentscheidung zurückgeführt werden kann.

Review ist kein Nachwort

Menschliche Prüfung kann an mehreren Stellen erfolgen: nach Layout, Segmentierung, Glyphbefund, Lesungskandidat oder Qualitätsprüfung. Review kann Artefakte bestätigen, kommentieren, zurückstellen oder blockieren.

Keine starre Pipeline

Die Standardpipeline ist ein Ausgangspunkt. Eine Quelle kann andere Analysewege erfordern; der Workflow kann verzweigen, Module wiederholen oder zu früheren Stufen zurückspringen.

Beispielhafte Analysewege

Nicht jede Quelle braucht dieselbe Pipeline.

HistoriaMP ist darauf angelegt, Workflows quellenabhängig zu organisieren. Beispielhafte Analysewege können sein:

Mittelalterliches Manuskript

Bildqualität → Layout → Segment → Glyph → Minimcluster → Abbreviatur → Lesung → QC → Review

Archivdokument

Bildqualität → Layout → Schreibbereiche → Stempel / Signaturen → Transkription → Review → Export

Vergleichsprojekt

Bild → Layout → Lesungsvarianten → Quellenvergleich → Kommentar → Export

Ergebnispaket

Am Ende steht nicht nur ein Text.

Am Ende steht ein Analysepaket: Originalbild, Bildfassungen, Segmente, Koordinaten, Modulbefunde, Varianten, Unsicherheiten, Review-Kommentare, Qualitätsbericht und Export.

Die Pipeline macht nicht nur eine Lesung sichtbar. Sie macht sichtbar, wie diese Lesung entstanden ist.

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